Austellungs-Details

Auf Wiederlesen #51: Holger Franke liest Hermann Lenz // Der russische Regenbogen

Galerie KungerKiez (Karl-Kunger-Straße 15, 12435 Berlin)

Auszüge vom Beginn des ersten Kapitels:

...Dann hieß es: „Einsteigen!“ und sie brachten mich mit anderen russischen Mädchen und Frauen in Lastwagen weg...

Eines Tages hielten wir vor einem Gutshof in Ostpreußen. Dort lehnt ich mich an eine Backsteinwand. Es war wrm und roch nach Heu und Benzin...

Vor einem Brunnen lagen Soldaten … schwatzten und lachten. Als ich vorbeiging, schwiegen sie. Dann sagte einer: „...wie eine Zigeunerin.“ Ich spürte Blicke im Rücken und dachte:Was sage ich, wenn sie mit mir reden wollen...  als hätte ich noch nie mit Deutschen gesprochen. Aber hier wae zwischen mir und denen plötzlich eine Glaswand. Das heißt, die Glaswand war immer dagewesen, aber ich hatte sie zuweilen kaum gespürt. Jetzt spürte ich sie deutlich, denn hier hatten sie etwas mit uns vor.

 

Aus dem Klappentext:

Die junge Russin Tamara, das Ich des Romans … als Zwangsarbeiterin wird sie 1944 nach Ostpreußen geschafft, von dort flieht sie, gelangt in ein Fremdarbeiterinnenlager einer süddeutschen Stadt. … Tamara Lasowskaja, einsige Medizinstudentin, jung, schön, erträgt viel, lässt sich durch nichts entmutigen, zu nichts verführen.

 

Aus Dolf Sternbergers Laudatio zum Büchner Preis

… und wir sind hier abermals an einem Punkt, wo das Artistische mit dem Moralischen zusammentrifft. Dieser Autor ist wahrhaftig zum Sehen geboren, er nimmt ein Amt wahr wie jener Lynkeus, freilich nicht vom Turme, ohne allen Fern- und Weit- und Überblick, ohne die Anmaßung einer Einsicht ins Ganze, vielmehr ein Lynkeus gleichsam zu ebener Erde, und auch dieser muß Untergänge erblicken … mit einer staunenswerten Akribie der Wahrnehmung, die das Ungeheuerlichste mit dem Unscheinbarsten aufbewahrt.

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